Milliarden für neue Rechenzentren – dank Künstlicher Intelligenz
Christof Kerkmann
Nov 11, 2025
Source:
Handelsblatt
Düsseldorf. Durch den Boom der Künstlichen Intelligenz (KI) steigen die Investitionen in Rechenzentren massiv – auch in Deutschland. Das zeigt die Analyse einer am Montag veröffentlichten Studie des Borderstep-Instituts. Nach Angaben des Technologieverbands Bitkom werden die Betreiber in diesem Jahr rund zwölf Milliarden Euro in IT-Hardware und weitere 3,5 Milliarden Euro in Gebäude sowie Energie- und Klimatechnik investieren.
Für die kommenden Jahre rechnet Bitkom mit einem anhaltend starken Ausbau. Die Anschlussleistung aller Rechenzentren soll sich demnach von 2024 bis 2030 auf 4,85 Gigawatt nahezu verdoppeln. Besonders gefragt sind Anlagen mit Spezialchips für KI-Anwendungen; ihr Anteil soll von derzeit etwa 15 auf 40 Prozent steigen.
Ein wesentlicher Treiber sind die großen Cloud-Anbieter. Rund 45 Prozent der bestehenden Kapazitäten entfallen laut Bitkom auf Cloud-Infrastrukturen. Amazon Web Services (AWS) erweitert derzeit seine Rechenzentren in der Region Frankfurt, um eine steigende Kundennachfrage abzufangen. Bis 2026 sind dafür 8,8 Milliarden Euro vorgesehen.
Parallel baut AWS in Brandenburg eine „European Sovereign Cloud“ auf, die Kunden mehr Kontrolle über ihre Daten geben soll. Der Dienst soll Ende des Jahres starten. Das Unternehmen hat dafür eine eigenständige Betreibergesellschaft mit europäischem Personal und ein eigenes Sicherheitszentrum gegründet. Bis 2040 will AWS nach eigenen Angaben 7,8 Milliarden Euro investieren.
Microsoft errichtet im Rheinischen Revier ein neues Rechenzentrum und plant insgesamt 3,2 Milliarden Euro für den Ausbau seiner Infrastruktur. Google hat angekündigt, im Laufe der Woche seinen bislang größten Investitionsplan für Deutschland vorzulegen. Die Deutsche Telekom erweitert in München ein Rechenzentrum um KI-Spezialchips und investiert dafür rund eine Milliarde Euro.
Trotz des Bautempos verliert Deutschland international an Bedeutung. In den USA und China entstehen deutlich größere Kapazitäten. OpenAI etwa will in den kommenden Jahren 100 Milliarden Dollar in Rechenzentren stecken. Erst vergangene Woche kündigte das Unternehmen an, bei AWS über sieben Jahre Rechenleistung im Wert von 38 Milliarden Dollar abzunehmen.
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