„Die gesamte Industrie gräbt denselben Graben“
Lina Knees, Felix Holtermann
Mar 10, 2026
San Francisco, Berlin. Yann LeCun, ehemaliger leitender KI-Forscher bei Meta, hat in dieser Woche Details zu seinem Start-up AMI Labs mit einer ersten Finanzierungsrunde von 890 Millionen Euro bekannt gegeben – eine ungewöhnlich hohe Frühfinanzierung für ein europäisches Start-up. Laut LeCun wurde sie deshalb von Beteiligten nicht mehr als klassische Seed-Runde, sondern als „Coconut“-Runde bezeichnet.
Mit AMI Labs will LeCun KI-Modelle für Roboter und die Industrie entwickeln, sogenannte Weltmodelle. Sprachmodelle (LLMs), wie sie in KI-Chatbots wie ChatGPT eingesetzt werden, hält er dagegen für eine Sackgasse. Sie würden „nicht zu einer Intelligenz auf menschlichem Niveau führen“, sagt LeCun im Interview mit dem Handelsblatt. Szenarien, nach denen Künstliche Intelligenz die Menschheit bedrohen könnte, hält er für übertrieben. „Da ich diese Systeme nicht für intelligent halte, sehe ich sie auch nicht als gefährlich an.“
Unter anderem seine Einstellung zu LLMs trug dazu bei, dass er den Facebook-Konzern Ende des vergangenen Jahres verließ. Im Gespräch erklärt LeCun, warum er die KI-Branche für strategisch kurzsichtig hält, weshalb er Anthropic-Chef Dario Amodei regulatorische Einflussnahme vorwirft – und warum Europa bei der nächsten Phase der KI-Entwicklung im Vorteil sein könnte.
Lesen Sie hier das Interview mit Yann LeCun:
1. AMI
Herr LeCun, am Dienstag haben Sie Ihr mit Spannung erwartetes Start-up AMI vorgestellt. Was genau haben Sie vor?
Der Plan für die nächsten Wochen ist es, großartige KI-Talente einzustellen, die von der Vision und unserer Reise begeistert und motiviert sind. Damit haben wir bereits begonnen und streben nun an, das weltbeste KI-Team aufzubauen.
Wie sehen die nächsten Schritte aus, welche Kunden und Partner haben Sie gewonnen?
Es ist noch zu früh, um hier Details zu nennen. Wir planen industrielle Partnerschaften, bei denen wir ausgewählte Forschungsfortschritte mit wichtigen globalen Unternehmen in verschiedenen Bereichen teilen, darunter in den Branchen Robotik, tragbare Geräte und der industriellen Fertigung. Aber das wird erst in den kommenden Monaten beginnen.
AMI war bisher äußerst geheim. Können Sie uns mehr erzählen?
CEO von AMI ist Alex Lebrun. Nachdem er 2015 eines seiner Unternehmen an Facebook verkauft hatte, waren wir eine Zeit lang Kollegen. In den letzten sieben Jahren war er Gründer und CEO von Nabla, einem französischen KI-Unternehmen im Gesundheitswesen. Und jetzt starten wir etwas Neues mit einem großartigen Team.
Sie haben in Ihrer Finanzierungsrunde rund 890 Millionen Euro eingesammelt, für Europa eine außergewöhnlich hohe Summe.
Richtig ist, dass unsere Finanzierungsrunde sehr groß ist. Eigentlich sollte es eine Seed-Runde sein. (Anmerkung der Redaktion: Als Seed-Runde wird eine Anschubfinanzierung bei Start-ups bezeichnet.)